25. August 2013

Kapitel 1 4/4

Hier ist nun der letzte Teil des ersten Kapitels.
Wenn man alles so liest, denkt man, das ist richtig viel. Aber das waren gerade einmal die ersten 15 Seiten. Die Drachen tauchen erst etwas später auf, so ungefähr Kapitel 4, Seite 55.



09. Dezember
Am nächsten Morgen ist schon der Tag des Abschieds.
Also ist Kofferpacken angesagt!
Es dauert ewig lange bis wir alles gepackt haben, weil wir zwischendurch irgendwelchen Unsinn machen. Ja, so sind wir Mädchen eben.
Zum Beispiel …
»Ähm, Alicia?«, sage ich verdutzt, »Was macht ein Slip von dir in meinem Bett?«
»Was?!« Sie springt sofort von ihrem Koffer hoch und stürzt zu mir.
»Hast du etwa in meinem Bett etwas Ekelhaftes gemacht?«, frage ich sie mit einem finsteren Blick. »Hättest du nicht danach das Bettzeug wechseln können?«
Sie ist knallrot im Gesicht. »Ach, Quatsch! Ich hab nichts getan!« Als sie mein grinsendes Gesicht sieht, schmollt sie. »Da ist gar kein Slip, oder?«, fragt sie beleidigt.
»Nö.« Jenny und ich lachen uns kaputt.
Ja, ja, was uns Mädchen so alles zum Lachen bringt.
Irgendwann laufen Mary und ihre Anhängerinnen an unserem Zimmer vorbei und tuscheln beim Vorbeigehen.
»Bei der Rallye vorgestern hat Nat die ganze Zeit mit Ty geflirtet. Kapiert sie denn nicht, dass er auf mich und nicht auf sie steht? Warum denkt sie, sie könnte irgendeinem Jungen gefallen?«
»Felix aus der 9c gefällt Ferdaya«, meint Lila. Ferdaya ist ein seltsamer Spitzname, den sich Lilia und Lila für mich ausgedacht haben. Ich weiß nicht warum, aber sie nennen mich seit der ersten Klasse so. Ich hoffe das hat gemeine Bedeutung auf irgendeiner Sprache!
»Felix ist ja auch ein Hohlkopf«, kontert Mary.
»Vor einer Woche meintest du doch, er sei total hinreißend«, verteidigt Lilia ihre Schwester. »Ich verstehe nicht, warum sich deine Meinung so oft ändert. Da fällt es einem sehr schwer mitzuhalten.«
Jetzt hat Mary genug. »Wenn ihr Natalie so sehr mögt, warum verbringt ihr eure Zeit dann nicht mit ihr?«, faucht sie die Zwillinge an und geht weiter. Die Zwillinge folgen ihr.
Als sie ganz verschwunden sind, lache ich. »Das war ja interessant. Fandet ihr nicht auch?«
Sie sehen mich irritiert an. »Worüber lachst du?«
»Na, über das Gespräch des Girly-Trios!«
Dadurch sehen sie noch irritierter aus.
»Wann haben die denn geredet?«, fragt Alicia schließlich.
Oh, oh. Ich weiß, dass dieses Gespräch wieder dazu führen wird, dass meine  Freunde mich für verrückt halten. Zu meinem Glück kommt dann Elvis.
»Was steht ihr da rum? Los, Koffer packen, Betten machen, aufräumen! Hopp, hopp, hopp!«
Wir stöhnen gleichzeitig. »Ja, Frau Effis.«

Acht Stunden später sind wir dann an der Bushaltestelle vor unserer Schule. Mein schönes Remscheid!
Mein Vater (sein Name ist Jonathan, Jonathan Wende) hat sich an dem Tag frei genommen, um mich abzuholen.
»Wie war´s?«,fragt er mich.
»Gut. Und wie hast du die Tage ohne mich überlebt?«
»In der Klinik«, gesteht er.
»Ich weiß. Da bist du schließlich jeden Tag.« Das liegt aber daran, dass er da arbeitet, er ist Psychotherapeut.  Das nervt aber oft, weil er mich immer wegen der merkwürdigen Geräusche untersuchen will. Er sagt es aber immer scherzhaft, er meint es nicht ernst.
Im Gegensatz zu einigen anderen Vätern ist meiner voll gelassen. Nur manchmal wirkt er verzweifelt, wenn er der Meinung ist, die Situation nur mit der Hilfe einer Mutter zu schaffen.
Über meine Mutter weiß ich nicht viel. Ich weiß, dass sie Katharina heißt, 33 Jahre alt ist und  braune Haare hat, meine Haare sind nämlich auch braun, und die meines Vaters schwarz. Von ihm kommt die Farbe demnach nicht!
Ich wundere mich oft über meine Situation. Mein Vater war damals, als ich geboren wurde, 19. Meine Mutter war 17. Sie sind nicht verheiratet, und bei solch einer Situation hat normalerweise die Frau das Kind am Hals und der Mann verschwindet oder bleibt. Aber ich bin bei meinem Dad und meine Mutter ist nicht da! Lustig, ne?
Jenny kommt mit zu uns nach Hause, weil ihre Eltern noch bei der Arbeit sind.
Nachdem ich meine Sachen ausgepackt habe, labern wir noch ein wenig über aktuelle Ereignisse. Zum Beispiel über Ty und mich oder sie und Max.
Vielleicht sollte ich es jetzt üben, das Gedanken lesen.
Wie soll ich es anstellen? Am besten versuche ich es ganz direkt.
Ich will deine Gedanken lesen, Jenny. Zeig mir deine Gedanken.
Warum sieht sie mich so komisch an? Sie blickt auf meine Stirn. »Hab ich da was?«, fragt sie laut und deutet auf ihre Stirn. Es hat funktioniert! Ich hab´s drauf! Das erzähle ich ihr.
»Nein. Aber weißt du was ich kann? Ich kann …«, beginne ich, werde aber von der Haustürklingel unterbrochen. »Ich guck mal kurz.«
Ich gehe zur Tür, öffne sie und …
… draußen ist keiner.
Dafür liegt ein hübsch dekoriertes Päckchen auf der Türschwelle. Daran stehen auf einem verzierten Kärtchen zwei Wörter:

Natalie Wende

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